| Wer war der von Bierdemann genannte
"Lord Jervis?" Sehen wir es dem Langenhagener Dorfschullehrer nach, dass für ihn jeder englische Adelige ein Lord war. Der hier abgebildete Sir John Jervis hatte einen anderen Titel: Viscount St. Vincent.
Die erste Suche nach der adeligen Familie Jervis führte schnell zu einem englischen Landadeligen namens John Jervis, später Viscount St. Vincent. 1735 im Landsitz Meaford Hall, Staffordshire geboren, trat er im Alter von 14 Jahren in die königliche Marine ein. Das war ein gewöhnlicher Schritt für zweitgeborene Söhne, denn nur der älteste Sohn konnte den Landbesitz erben. Nach sechs Jahren Dienst erhielt er 1755 das Leutnantspatent, was ihm ein halbwegs gesichertes Leben ermöglichte.
Meaford Hall im Jahr 1945, seitdem stark zurückgebaut Am Siebenjährigen Kriege nahm John Jervis im Jahr 1759 als Commander eines kleineren Kriegsschiffes teil, stieg bald darauf zum Kapitän auf und erhielt das Kommando auf einem Linienschiff mit 80 Kanonen. Es war die zuvor von ihm gekaperte französische „Foudroyant“ |
![]() John Jervis, Viscount St. Vincent |
| Den Namen erhielt Sir John durch eine weitere semännische Großtat,
die Seeschlacht bei St. Vincent. Mit dem Beginn der Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich trat er 1793 im Rang eines Vizeadmirals wieder in den Marinedienst. Als Oberbefehlshaber in „Westindien“ leitete er die Eroberung von Frankreichs mittelamerikanischen Kolonien Martinique und Guadeloupe. 1795 avancierte John Jervis zum Admiral und Oberbefehlshaber der britischen Mittelmeerflotte. In dieser Funktion trug er zu einem sehr bedeutenden britischen Erfolg in der Seeschlacht bei dem Kap Vincent vor der portugiesischen Küste bei. Im Rahmen der Koalitionskriege war die französisch-spanische Flotte von Cartagena aus mit 27 Linienschiffen sowie 15 kleineren Schiffen Richtung Brest in Nordfrankreich unterwegs. Von dort aus sollten die Schiffe mit der französischen und niederländischen Flotte vereint eine Invasion Großbritanniens unternehmen. Zu Jervis an sich
schwächerer Flotille gehörte auch das Schiff "Captein" unter dem
Kommodore Nelson, der später als Lord Nelson in die Geschichte
eingegangen ist. Dieser kühne Draufgänger begann einen Angriff
auf die spanische Flotte, den Admiral Jervis unterstützte und so
einen Sieg ermöglichte. Beide Seeoffiziere wurde danach von der
britischen Regierung ausgezeichnet: Sir John erhielt den
Adelstitel Earl und erhebliche Gelder, Nelson wurde
geadelt. Ein Viscount
entspricht einem Vizegrafen und ein Earl einem Grafen im
deutschen Rangkalender. |
![]() Die Seeschlacht bei St. Vincent an
der spanischen Küste
|
| Das wäre doch ein passender Hintergrund für die Miss Jervis in
Langenhagen. Leider stehen dieser Lösung einige Argumente entgegen.
1. John Jervis besaß keine Eisenbahngesellschaften. Er hatte sein
Vermögen im Seekrieg erworben, 2. Er war kinderlos verheiratet
und kam daher nicht als Vorfahr der Miss Jervis in Frage. |
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